Ich nähe dann mal ohne Nahtzugabe Teil III (Trotzkopf Tunika)

Heute möchte ich Euch in meiner kleinen Reihe zeigen, wie ihr aus dem Trotzkopf-Schnitt eine Tunika machen könnt.

   Ihr braucht ein Din A 3 Blatt und das untere Vorderteil des Schnittmusters vom Trotzkopf. Die Tunika soll vorne ein bisschen gerafft sein. Deshalb gebe ich an der Bruchkante vorne 3 cm zum Schnitt dazu (es können auch mehr oder weniger sein).

  Dann sollte die Tunika unten ein bisschen ausgestellt sein. Zeichnet Euch vom äußeren Rand des Vorderteils ausgehend eine leichte Schräge. Da die Tunika etwas länger sein soll, solltet ihr die Linie länger als das Vorderteil machen.

 Ich habe bei Größe 98 eine 30 cm lange Linie gezeichnet.

 Diese 30 cm trage ich auch an der Bruchkante des Schnittes ab.

 Dann wird von der schrägen Linie ausgegangen eine leichte Rundung bis zur Markierung an der Bruchkante gezeichnet.

Schon habt ihr Euer Schnittteil für das untere Vorderteil. Denkt beim zuschneiden daran, dass ihr es im Bruch zuschneiden müsst.
Ich zeichne mir noch eine Linie ein, wieviel ich das Vorderteil breiter gemacht habe (3 cm Abstand von der Bruchkante).

 Jetzt legt ihr das Vorderteil auf das Rückenteil des Schnittmusters und zeichnet Euch den Beginn der Passe an.

 Jetzt knickt ihr das neue Schnittmuster an der 3 cm Linie. So könnt ihr es an der eben eingezeichneten Passelinie auf dem Rückenteil befestigen (z. B. mit Washi-Tape) und es ebenfalls im Bruch ausschneiden.

Beim Nähen müsst ihr dann nur noch das Vorderteil einkräuseln (Anleitung hierzu z. B. im Kapuzenkleid-Ebook), dass es oben genau so breit ist wie die Passe. Genäht wird die Tunika dann wie der Trotzkopf. Unten könnt ihr dann einen Saum, einen Rollsaum oder ein Bündchen für den leichten Balloneffekt anbringen.

 Die Tunika ist perfekt um  ein kleines Kugelbäuchlein zu verstecken. Ich habe es in 98 genäht und es sitzt noch ein bisschen reichlich.

 Irgendwann gibt es bei einem Fotoshooting hier immer Quatschbilder…

Ich hoffe ihr hattet Spaß an meinem kleinen Tutorial. Eines werde ich auf jeden Fall noch mit dem Trotzkopf machen. Das wird dann auch für Jungs geeignet sein!

Ich nähe dann mal ohne Nahtzugabe Teil II (Trotzkopf-Kleid)

Heute kommt der zweite Teil meiner Reihe „Ich nähe dann mal ohne Nahtzugabe!“. Teil 1 findet ihr hier.
Diesmal geht es darum, wie ihr das Trotzkopf-Oberteil mit dem Rockteil des Kapuzenkleidchens kombinieren könnt.
Wenn ihr das Kapuzenkleidchen-Oberteil auf das Rückenteil des Trotzkopf legt, merkt ihr gleich, dass der Trotzkopf viel weiter geschnitten ist. Das liegt daran, dass der Trotzkopf ein Pulloverschnitt ist, den man auch aus Sweat nähen kann.

 Da ich mein Trotzkopf-Kleidchen nicht so weit haben möchte (und nachher auch alle Teile aufeinander passen müssen) wähle ich also beim Trotzkopf-Oberteil nicht Größe 98, die ich eigentlich nähen will, sondern Größe 86. Das sind zwei Größen kleiner.

 Dann fällt noch auf, dass das Oberteil vom Kapuzenkleidchen in 98 etwas länger ist, als dass vom Trotzkopf in Größe 86. Das ist weiter nicht dramatisch. Da ich aber das Kleidchen nicht kürzer haben möchte als beim normalen Kapuzenkleid gebe ich einfach später beim Rockteil etwas mehr Saumzugabe.

 Jetzt muss ich nur noch das Rückenteil kürzen, so dass die Seitennaht genau so lang ist, wie das Trotzkopf Vorderteil. Wer noch Ärmel nähen möchte kann das sehr gerne machen. Bitte nehmt dafür die Ärmel vom Trotzkopf (ebenfalls zwei Größen kleiner sonst passen sie ja nicht an den Ärmelausschnitt) und verlängert sie so, dass sie so lang sind wie die Größe, die ihr nehmen wollt. Die Ärmel sind dann aber eher eng geschnitten, beachtet das bei der Stoffwahl.
Noch einmal zusammengefasst: Nehmt das Trotzkopf-Oberteil zwei Größen kleiner, verlängert die Ärmel (ebenfalls vom Trotzkopf!!!!) auf die Körpergröße (zwei Größen größer) und gebt beim Rockteil (vom Kapuzenkleid) unten etwas mehr Saumzugabe. Schon habt ihr ein Trotzkopfkleid!

 Noch ein paar Worte zum Nähen:
Näht den Trotzkopf bis Schritt 11. Dann lasst ihr die Schritte 12-15 aus und steppt stattdessen die beiden Passeteile unten in der Nahtzugabe zusammen. Dann näht ihr weiter von 16-26 (Ärmel annähen und Seitennaht schließen).
Dann wechselt ihr zum Kapuzenkleidchen-Ebook, näht dort das Rockteil und fügt beides nach Anleitung des Kapuzenkleidchens zusammen.

 Das Kleidchen hier habe ich auf Zuwachs genäht. Meine Süße ist ca. 90 cm groß und trägt Größe 98. Durch das Bündchen fällt das Kleid oben ein kleines bisschen enger aus, das Bündchen rafft sozusagen das Oberteil etwas zusammen.

 Ich habe jetzt das einfache Rockteil genommen, es geht natürlich auch mit dem schwingenden Rockteil.

 Genäht habe ich das Kleidchen aus dem wunderschönen Elefantenstoff von enemenemeins

So, dass war Teil II meines Schnittmuster-Tutorials. Ich hoffe ihr konntet mir folgen und ich wünsche Euch viel Spaß beim kombinieren.
Die nächsten zwei Teile sind schon in Planung. Der Trotzkopfschnitt lädt wirklich zum experimentieren ein!

Ich nähe dann mal ohne Nahtzugabe! Teil I

Wenn ich in den Weiten des Internets stöbere stoße ich sehr oft auf den Satz: Ich nähe es dann einfach ohne Nahtzugabe!
Jedes mal, wenn ich diesen Satz lese rollen sich mir die Fußnägel auf. Das ist nämlich Schnitttechnisch ein absolutes Fiasko. Deshalb möchte ich Euch in einer kleinen, losen Reihe mal zeigen warum das so ist, und wie ihr die Schnitte sinnvoll abändern und kombinieren könnt.

Also zuerst zum schönen Satz: Ich nähe dann mal ohne Nahtzugabe.
Ich habe mal meinen neuen Schnitt Trotzkopf als Beispiel genommen und Euch simuliert, was das für einen Schnitt bedeutet.

 Ich bin mal von einer Nahtzugabe von 1 cm ausgegangen. Das ist zwar schon eher viel, aber noch durchaus noch realistisch. Als Ausgang habe ich den Schnitt in 110 genommen. Bei einer Nahtzugabe von 1 cm landet ihr dann beim Rückenteil bei der Weite für Schnitt 98. Dass sind gleich zwei Größen kleiner.

Bei den Ärmeln ist es noch krasser. Da landet ihr nämlich bei 1 cm Nahtzugabe nicht etwa auch bei Größe 98, sondern gleich bei Größe 92, d. h. nicht nur zwei sondern gleich drei Größen kleiner als die Ursprungsgröße.
Danach habe ich mal die Ärmelkugel nachgemessen und bin zu folgendem Ergebnis gekommen: Plötzlich sind die Strecken von der Ärmelkugel nicht mehr gleich lang, sondern der Ausschnitt am Rücken/Vorderteil ist um 1,6 cm länger als die Strecke am Ärmel. Das lässt sich zwar beim Nähen durch etwas dehnen beheben, aber optimal ist es sicher nicht.

Noch problematischer ist dieser Satz, wenn ihr ihn z. B. auf mein Kapuzenkleid anwendet. Besonders beim Drehkleid habt ihr unten 6 Teile und oben nur 2. Wenn ihr hier ohne Nahtzugabe zuschneidet wird das Oberteil 4 cm enger und das drehende Rockteil gleich 12 cm. Das ist ein Unterschied von 8 cm und kann zu keinem guten Ergebnis führen.

Ich werde nie vergessen, wie eine Probenäherin das mal bei meinem Sommerhut gemacht hat. Das Kind war größentechnisch zwischen zwei Größen und die Näherin hat sich gedacht: Dann nähe ich einfach die größere Größe ohne Nahtzugabe. Herausgekommen ist ein Puppenhut, der natürlich überhaupt nicht gepasst hat (und dass der Schirm da auch nicht mehr angenäht werden konnte könnt ihr Euch ja vorstellen).

Mein Tipp für alle, die einen Schnitt etwas enger machen wollen: Näht den Schnitt eine Größe kleiner und verlängert dann die Armlänge und die Oberteillänge auf die richtige Körpergröße. So passen alle Teile noch zusammen und der Schnitt ist trotzdem enger. Ihr müsst nur aufpassen, dass ihr das Oberteil und die passende Ärmelkugel dazu ausschneidet. Genauso könnt ihr natürlich einen Schnitt weiter machen. Einfach eine größere Größe ausschneiden und dann auf die passende Größe kürzen. Allerdings müsst ihr dabei folgendes noch beachten. Ich gradiere meine Schnitt immer so, dass der Punkt unter der Achsel bei allen Größen auf einer Höhe ist.

Daher könnt ihr bei meinen Schnitten immer einfach eine Linie weiter wechseln. Sollte das bei einem Schnitt, den ihr ändern wollt einmal nicht sein müsst ihr die Strecken messen und dann abtragen.

Ich hoffe, ihr konntet damit etwas anfangen. Als nächstes zeige ich Euch, wie ihr Trotzkopf und Kapuzenkleid sinnvoll mixen, und was ihr noch so alles mit dem neuen Trotzkopf-Schnitt machen könnt.